07 - Himmel und Hölle
Shownotes
Studio Bummens präsentiert: "Das Lederhosen Kartell" - der Podcast über das Oktoberfest…
Episode 7: Himmel und Hölle
Am 26. September 1980 tötet eine Bombe zwölf Wiesn-Besucher und den Attentäter, mehr als 200 überleben verletzt. Es ist der blutigste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik: das Oktoberfest-Attentat, begangen von einem Rechtsradikalen. Wenige Stunden nach dem Anschlag beseitigt die Polizei die blutigen Spuren und säubert den Tatort. Noch in derselben Nacht entscheidet der damalige Münchner Oberbürgermeister, dass das Oktoberfest fortgesetzt wird.
In der letzten Folge geht es um die Nacht, die die Wiesn für immer verändert hat. Und nach der trotzdem alles gleich geblieben ist.
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00:00:00: Servus.
00:00:01: Das ist die letzte Folge von das Lederhosenkartell.
00:00:05: In dieser Folge kommt es zu expliziten Darstellungen von Gewalt und Suizid.
00:00:10: Falls ihr die bisherigen Folgen nicht gehört habt, fangt am besten damit an.
00:00:15: Und jetzt geht's los.
00:00:24: Es war ein schöner Herbsttag wo wir hierher kamen Also es war sonnig Es war angenehm also nicht zu kalt für die Jahreszeit.
00:00:32: Wir waren sieben Personen Also fünf Kinder um meine Eltern.
00:00:42: Ich stehe mit Robert Höckmeier am Haupteingang zum Oktoberfest.
00:00:46: Er erzählt gerade von seinem ersten Wiesenbesuch an einem Freitagabend im September, Einem eher armen Viertel in München.
00:01:08: Dem Viertl, in dem auch der Drogendealer Alexios aus Folge zwei aufgewachsen ist.
00:01:16: Damit die Kinder endlich mal das Oktoberfest besuchen können.
00:01:19: Das ist schon damals ziemlich teuer.
00:01:27: Und dann sind wir Richtung Ausgang gegangen.
00:01:34: Also genau dorthin, wo ich gerade mit Robert Höckmayer stehe?
00:01:38: Die Kinder haben irgendwie ein mulmiges Gefühl.
00:01:41: Wir fünf Kinder haben zu meinen Eltern gesagt, zu meinem Vater besser gesagt, wir wollen hier nicht raus.
00:01:47: und da was Auto hier oben stand hat mein Vater gesagt und wir gehen hier raus.
00:01:53: Die Kinder gehen dem Vater hinterher.
00:01:55: Jedes Kind hält einen Helium-Ballon in der Hand.
00:01:58: Vor mir war meine jüngere Schwester Ilona oder Ignatz die jüngste Bruder von uns.
00:02:03: Dann war meine Schwester Elisabeth und ich.
00:02:06: Und dahinter, mein Bruder Willi und meine Mutter.
00:02:08: Mein Vater war schon ein Stück weit hier zum Brausebad, weil der wollte das Auto da oben bei Saturn Hansa holen.
00:02:15: Wo wir dann Richtung Ausgang kamen durch den Torbogen gingen zu dem Abfalleimer, denn wir hatten ja Papier zum Wegschmeißen.
00:02:22: Da waren wir ungefähr einen Meter fünfzig vom Abfalleymer weg.
00:02:25: Ich sah dann nur einen Mann mit beiden Armen im Abfalleiimer an!
00:02:28: Und in dem Moment, wo wir da hin wollten, hat es einen Knall gegeben.
00:02:30: Das Stichflamm ist hochgeschossen und dann war alles Toten
00:02:33: still.".
00:02:38: Robert spürt ein heftigen Stoß – ihn schleudert das Meter weit nach hinten.
00:02:42: Nicht
00:02:48: nur sein Trommelfell ist kaputt sondern auch seine Beine und Füße.
00:02:52: Der ganze Körper ist voller Granatsplitter.
00:02:59: Sie spüren keine Füße mehr, sie spülen keine Hände.
00:03:01: Sie haben körperlich überhaupt kein Gefühl
00:03:03: mehr.".
00:03:03: Er rafft sich auf und bewegt sich wieder zum Ausgang.
00:03:07: Wie er das mit seinen kaputten Beinen schafft – ob er kriecht oder geht kann er sich heute selbst nicht erklären.
00:03:25: Weil ich wusste ja nicht, was passiert ist.
00:03:26: Ich dachte immer mein Luftballon wäre explodiert weil Helium ist Gas und ist explosiv.
00:03:31: Das war mein einziger
00:03:32: Gedanke.".
00:03:32: Robert kämpft sich vorbei an den schreinen Menschen.
00:03:53: Mein Bruder Ignatz lag auch hier mit einem Einschlag in den Kopf und hat überhaupt nicht mehr reagiert.
00:03:58: Meine Schwester Elisabeth saß da hinten irgendwo auf die Telefonzellen, die damals hier standen.
00:04:05: Und mein Bruder Willi habe ich gar nicht gesehen.
00:04:08: Haben Sie das verstanden was sie gesehen
00:04:10: haben?
00:04:10: Heute verstehe es.
00:04:12: Damals hab' ich's nicht verstanden.
00:04:14: Ich hab nur eins gewusst und verstanden meine Schwester ist ihm einen Arm verstorben.
00:04:20: Das hab', ich verstanden.
00:04:21: als Kind
00:04:25: Erirrt ein paar Minuten umher.
00:04:26: Ich bin zweimal runtergerissen worden.
00:04:29: Einmal von einem Mann, der verletzt war, hat ihm der Fuß gefühlt und ich weiß nicht, er hat um Hilfe geschrien.
00:04:35: Dann habe ich gesagt, ich hole Hilfe, bin weiter und hab mich die Frau runtergezogen.
00:04:40: Die hat dann ihren Hund im Arm gehabt, war aufverletzt, hat auch um Hilfe gerufen... ...und ich habe dann wieder gesagt, dass ich hol Hilfe.
00:04:47: Reist mich noch mal eine Frau runter aber die hat mich nicht mehr losgelassen.
00:04:49: also es war ne Helferin.
00:04:52: Dann hab' ich auch gemerkt, mir wird kalt, ich krieg keine Luft mehr.
00:05:03: Nach einer Stunde wird Robert Höckmeier endlich ins Krankenhaus gefahren.
00:05:07: Erst Tage später erfährt er, dass es nicht sein Helium-Ballon war der explodiert ist sondern eine Bombe mit einem Kilogramm TNT.
00:05:19: Robert verliert in dieser Nacht seine kleine Schwester und seinen kleinen Bruder.
00:05:24: Insgesamt dreizehn Menschen sterben durch das Attentat.
00:05:27: Es gibt mehr als zweihundert Verletzte.
00:05:30: Es ist der blutigste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik.
00:05:35: Das Oktoberfestattentat am sechsten, zwanzigsten September, nineteen Hundert Achtzig.
00:05:42: das ist als Lederhosenkartell.
00:05:44: Folge sieben Himmel und Hölle.
00:06:10: Kurz nach der Explosion interviewt eine Reporterin vom Bayerischen Rundfunk Augenzeugen.
00:06:16: Sie war zufälliger Nähe des Tatorts.
00:06:19: Alle stehen hörbar unter Schock.
00:06:33: Das muss ein wahnsinniger gewesen sein.
00:06:40: Das kann kein
00:06:41: Mensch nicht gewesen sein!
00:06:42: Einen Mann hat es bis dahinten rübergehaut von dort oben, von der linken Seite, bis da rüber und der eine den hat unter den Kasten gekauft.
00:06:50: Mein Doktor liegt da vor dem Tod.
00:06:53: Der andere stirbt da und da liegen fünf über mir hier.
00:06:56: Der Mann, den ihr gerade gehört habt das ist der Vater von Robert Höckmeier.
00:07:00: Wir sind da hergemarschiert.
00:07:02: Er wusste dann, dass wir da vorne sind.
00:07:05: Und dann will ich so rumgehen, wenn Paul auf Arbeit macht und wir sind alle geblieben.
00:07:10: Ich kann nicht sagen... Der Kreisende ist jetzt in die Schule gekommen dieses Jahr.
00:07:14: Die andere ist in der zweiten Klasse, die liegt dort zugelegt.
00:07:18: Tod?
00:07:20: Meine Frau ist auch schon überlegt, sie haben es weggebracht.
00:07:22: Da liegt noch ein Pferd hinten und da hat man das wieder weggebrochen.
00:07:26: Zu dem Zeitpunkt weiß er nur nicht ob sein Sohn Robert überleben wird.
00:07:30: Währenddessen versammeln sich am Tatort bayerische Politiker und die Polizei zu einer spontanen Pressekonferenz.
00:07:37: Alle warten auf die Entscheidung vom damaligen Oberbürgermeister Erich Kiesel von der CSU.
00:07:42: Wird das Oktoberfest weitergehen oder nicht?
00:07:46: Der Bundesjustizminister und ehemalige Münchner Oberbürgermeister Johannes Jochen Vogel von SPD warnt, die Wiesen zumindest bis zur Trauerfeier zu unterbrechen.
00:07:55: Die Wiesenwirte sind dagegen – sie befürchten riesige Umsatzeinbußen!
00:08:00: Die Polizei sagt Sie können die Massen nicht davon abhalten am nächsten Morgen die Wisen zu stürmen….
00:08:05: Der Oberbürgermeister Kiesel tritt vor die anwesenden Geilisten.
00:08:09: Die
00:08:10: Situation
00:08:11: meine Damen, meine Herren
00:08:15: ist natürlich für uns alle ungeheuerlich
00:08:18: bedrückend.
00:08:21: Wer diesen
00:08:24: ungeherlichen
00:08:25: Anschlag hier
00:08:28: sieht
00:08:29: der kann eigentlich
00:08:30: nur zunächst gefühlsmäßig reagieren
00:08:33: und sagen
00:08:35: dass am besten wäre, wenn man
00:08:38: ab morgen
00:08:42: das Oktoberfest einstellen würde.
00:08:45: Auf der anderen Seite
00:08:47: wäre das ganz sicher eigentlich im Interesse derjenigen die dieses Attentat
00:08:54: verübt
00:08:54: haben.
00:08:56: Das wollten sie eigentlich erreichen und daher ist die feste Überzeugung von mir,
00:09:03: dass das oktoberfest als solches
00:09:05: weiter stattfindet.
00:09:07: Nur am Dienstag, dem Tag der Trauerfeier soll das Oktoberfest für einen Tag pausieren.
00:09:12: Der Dienstag ist traditionell der Umsatzschwestetag.
00:09:23: Noch in derselben Nacht wird der Tatort von der Stadtreinigung gesäubert.
00:09:28: Eilig räumen die Reinigungskräfte die Leichenteile weg, kehren den Platz Arbeiter flicken den zerflederten Triumphbogen aus Tannenzweigen am Eingang Sie tauschen sogar die Zeige der zerspitterten Standur aus Die es um Zweiundzwanziger Neunzehn stehen geblieben und sie erst faltieren den Krater, den die Bombe zerrissen hat.
00:09:49: Zwölf Stunden nach dem Anschlag ist der Tatort wieder Besen rein.
00:09:53: Dass dabei wichtige Beweise vernichtet werden, darauf wird keine Rücksicht genommen.
00:10:02: Am nächsten Morgen um elf kann das Oktoberfest weitergehen.
00:10:06: Es ist Samstag und Zehntausende Ströben auf die Theresienwiese.
00:10:11: am Eingang liegen ein Strauß Blumen und Zettel.
00:10:14: Auf einem steht hier starben gestern Menschen Die Wiesenwirte verkünden für diesen Samstag einen Besucherrekord.
00:10:36: Über das gesamte Wochenende kommen eine Million Menschen.
00:10:48: Meine Damen und
00:10:48: Herren, guten Abend!
00:10:49: Auch knapp zweiundzwanzig Stunden nach dem Bombenanschlag auf das München Oktoberfest
00:10:54: herrscht über Täter- und Motive
00:10:55: noch immer Unklarheit.
00:10:57: Der SPD-Vorsitzende Brandt
00:10:58: äußerte die Bitte der
00:10:59: schreckliche Ereignis von München nicht in den Wahlkampf zu ziehen.
00:11:03: Die manenden Worte vom Altbundeskanzler Willi Brandt kommen da schon zu spät.
00:11:08: Es ist die heiße Phase des Wahlkampfs.
00:11:10: Am Tag des Anschlags sind es noch neun Tage bis zur Bundestagswahl.
00:11:15: Franz-Josef Strauß ist zu dem Zeitpunkt nicht nur bayerischer Ministerpräsident, sondern auch Kanzlerkandidat der Union.
00:11:22: Er fordert den amtierenden Bundeskanzler Helmut Schmidt heraus.
00:11:27: Es ist ein Duell der Gegensätze Der hanseatische Pragmatiker gegen den Bayerischen Hitzkopf, der liberale Sozialdemokrat gegen den ärztkonservativen CSU-La.
00:11:37: Es ist eine Richtungswahl Oder wie es Franz Josef Strauss in einem Wahlwerbespot ausdrückt.
00:11:42: Bei diesen Wahlen geht das nicht um Personen
00:11:44: oder Parteien, es geht um zwei grundsätzlich verschiedene
00:11:48: Wege der deutschen Politik –
00:11:50: um den freiheitlichen Weg
00:11:51: oder um den sozialistischen Weg.
00:11:53: Helmut Schmidt gehört damals eher zum konservativen Flügel der SPD.
00:11:57: ihn als Sozialisten zu bezeichnen ist natürlich Quatsch Aber Strauß macht's trotzdem.
00:12:04: Es gab kaum einen führenden deutschen Politiker, der mehr polarisiert hat als er.
00:12:08: Hier beschimpft Strauss bei der Wahlkampfrede einen Zuschauer aus dem Publikum.
00:12:37: Der Wahlkamp hat vor allem ein Thema, innere Sicherheit!
00:12:41: Strauß wirft der sozial-liberalen Koalition vor, die Bevölkerung nicht ausreichend vor dem linksradikalen Terror der RAF zu schützen.
00:12:50: Nur wenige Stunden nach dem Anschlag ist für Strauß klar – das ist das Werk von Linksterroristen!
00:12:56: Franz Josef Strauß tut alles um aus dem Attentat politisches Kapital zu schlagen.
00:13:01: Aber dann macht zwei Tage nach dem Anschlag eine Meldung die Runde.
00:13:09: Der
00:13:11: Name des Attentäters wird bekannt, Gundolf Köhler.
00:13:16: Das war der Mann den Höckmaier am Abfall einmal gesehen hat bevor die Bombe explodiert ist.
00:13:21: Köhle war einundzwanzig Jahre alt und ein Geologie-Student aus Donau erschingen Und er war rechtsradikal.
00:13:29: das bestätigt auch der damalige Generalbundesanwalt.
00:13:32: Die Ermittlungen haben gegeben dass Köhlers Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann war.
00:13:39: Die Wehrsportgruppe Hoffmann war eine rechtsterroristische Organisation.
00:13:44: Strauß hatte deren Mitglieder lange als Spinner verharmlost und sich gegen ein Verbot der Gruppe ausgesprochen.
00:13:50: Der Feind für ihn stand links, nicht rechts.
00:13:54: Den Anschlag hatte Köhler in der Hoffnung begangen dass er den Linken in die Schuhe geschoben wird damit dann Franz Josef Strauß an die Macht kommt Und durch eine autoritäre Wende irgendwann die Demokratie abgeschafft wird.
00:14:10: Das Oktoberfestattentat ist einer der ersten großen rechtsradikalen Anschläge, der als die Tat eines verwirrten Einzeltäters verharmlost wird.
00:14:19: Die Bundesrepublik sollte international nicht mit rechten Terror verknüpft werden und natürlich auch nicht die Wiesen.
00:14:37: Das ist Werner Dietrich.
00:14:39: Er vertritt seit vielen Jahrzehnten die Überlebenden des Oktoberfest-Attentats.
00:14:53: Vier Tage nach dem Anschlag findet auf dem Marienplatz eine nicht angemeldete Trauerfeier für die Opfer des Anschlags statt.
00:15:00: Zwei Männer halten ein Schild hoch mit der Aufschrift, wir trauern um die Opffer.
00:15:07: Die beiden werden vom Amtsgericht zu einer Strafe von achthundert Mark verurteilt.
00:15:14: Strauß verliert die Wahl dann gegen Helmut Schmidt, die sozial-liberale Koalition bleibt an der Macht.
00:15:21: aber das Verdrängen geht da gerade erst so richtig los.
00:15:30: eine Woche nach dem Anschlag wacht Robert Höckmeier auf der Intensivstation auf.
00:15:34: er weiß zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht was mit seiner Familie ist Aber dann will ihn auf einmal jemand sehen Und reinkommen?
00:15:51: Franz Josef Strauß und seine Ehefrau Marianne.
00:15:55: Strauß hat vor wenigen Tagen die Bundestagswahlen verloren, und ist bayerischer Ministerpräsident geblieben.
00:16:08: Und er stand dann kurz, ich sag mal so einen halben Meter vor unserem Bett weg.
00:16:14: Wir haben beim Krieg schon schlimmeres gesehen, dreht sich um und geht wieder.
00:16:18: Was haben Sie da gefühlt in dem Moment?
00:16:20: Wut!
00:16:21: Nur Wut.
00:16:23: Weil sowas Dreiß des sage ich mal Sowas unmenschliches So kaltherzig was weiß ich vom krieg?
00:16:35: Ich war nie im krieg ich bin ein kind.
00:16:39: und dann schmeißt Er mir so'n text vor die nase und dritte sich um geht.
00:16:43: Fünf Wochen nach dem Anschlag wird Robert Höckmeier aus dem Krankenhaus entlassen.
00:16:48: Er weiß inzwischen, dass zwei seiner Geschwister tot sind.
00:16:51: Ich meine ich habe meine Schwester sterben sein aber ich konnte damit nichts anfangen bis ich sie dann wie sich den Grabstenkel sind haben auf Nordfriedhof wo dann die Namen meiner jüngsten Geschwester standen.
00:17:02: da wusste ich die kommen nie wieder.
00:17:04: Staatliche Unterstützung bekommt seine Familie damals fast keine sagt Höckmaier.
00:17:08: er hat damals immer noch hunderte Bombsplitte im Körper Im Schlüsselbein in der Hand, in den Beinen im Brustkorb.
00:17:17: Er kann erst Monate später wieder laufen.
00:17:19: bis heute zieht er beim Gehen sein rechtes Bein hinterher.
00:17:24: ein Jahr nach dem Anschlag geht Robert Höckmeier zu einer Ärztin vom Versorgungsamt.
00:17:28: Sie schreibt einen Gutachten
00:17:36: Milieu
00:17:40: bedingter Einflüsse.
00:17:42: Darauf führt die Ärztin alles zurück.
00:17:44: Seine Ängste, seine Panikattacken... ...die Probleme in der Schule.
00:17:49: Sein Vater arbeitet im Hasenbergel als Schrott-Sammler.
00:17:52: Und mit so einem Urteil sind sie auch sozial.
00:17:55: Sie sind sozial schwach und können sich nicht wehren.
00:17:58: Nach dem ärztlichen Bescheid wird Robert jede soziale Leistung gestrichen?
00:18:02: Nichts!
00:18:03: Überhaupt nichts.
00:18:04: Keinen Incent.
00:18:05: Keine ärztliche Betreuung mehr.
00:18:07: Nichts
00:18:09: Im November, zwei Jahre nach dem Attentat stellt die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen zum Attentate ein.
00:18:17: Sie hatte den Fall von der Bayerischen Staatsanwaltschaft übernommen.
00:18:20: Hinweise auf ein politisches Motiv oder Mittäter hat sie die Bundes- anwaltschaft nicht gefunden.
00:18:57: Ich seh den Arzt gar nicht, der mich da gleich abblockt.
00:19:01: Sondern er schaut was hat der Arzt davor geschrieben?
00:19:04: Das wird schon passen, setzt seinen Text dazu und das schreibt
00:19:09: abgelehnt.".
00:19:24: Von den fünf Geschwistern ist Höckmeier jetzt der letzte Überlebende.
00:19:28: Also man muss lernen, an sich selber zu arbeiten und nicht anderen die Schuld zu geben, sondern erst mal zu gucken.
00:19:35: was kann ich machen aus meiner Situation.
00:19:47: Ich will endlich Akmaeinsicht haben, denn ich will wissen was mir fehlt, wie schwer ich getroffen war.
00:19:53: Er geht zum Versorgungsamt, dort sind die Akten gelagert.
00:20:12: Der Sachbearbeiter bringt ihm einen riesigen Stapel Akten.
00:20:15: Es sind knapp zweitausend Seiten.
00:20:19: In den Akten findet er die Diagnose von damals Geplatz des Trommelfell Streckszenen durch Trennung.
00:20:26: Die Einschläge im Brustkorb, die kaputten Füße und Beine – alles Folgen des Anschlags.
00:20:57: Endlich kann er belegen, dass das Versorgungsamt des Bayerischen Staats im jahrelang falsche Diagnosen ausgestellt hat um ihm kein Geld zahlen zu müssen.
00:21:05: Und dann habe ich natürlich gesagt jetzt, das lass mich mir nicht gefallen.
00:21:08: also so kannst du nicht bleiben!
00:21:10: Mit Hilfe seines Anwalts stellt er einen neuen Antrag vor Gericht und der wird endlich bewilligt.
00:21:17: Heute bekommt er moordlich eine Rente von dreihundertsechzig Euro gezahlt.
00:21:23: Robert Höckmeier würde heute gerne mit der Vergangenheit abschließen Aber spätestens, wenn das Oktoberfest naht.
00:21:30: Wird das unmöglich?
00:21:32: Das ist die schlimmste Zeit für mich, wenn ich die ersten Drachten sehe.
00:21:36: Die ersten Drachen kommen zu Anfang September.
00:21:38: Da kommen die ersten Leute mit Drachten an.
00:21:40: Ab da werde ich dann nervös und unruhig.
00:21:42: Er versucht so wenig wie möglich davon mitzukriegen.
00:21:45: Deswegen meide ich hier diese Gegend generell.
00:21:47: Wie groß ist der Radius, den Sie meiden
00:21:49: hier?
00:21:50: Bis zur Donnersberger Brücke.
00:21:51: Das ist der Maximallradius, wo ich normalerweise mich hier annäher.
00:21:54: Höckmeier ist nach dem Anschlag nie wieder aufs Oktober festgegangen.
00:21:58: Es gibt aber Überlebende, die danach wieder auf der Wiesen waren und dann gibts da noch einen Trachtler aus dem Münchner Stadtteil Leim.
00:22:11: Also mein Name ist Franz Kinker, geboren auf den Eiften in München.
00:22:17: Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder, hab eideteckli und zweieckgliedit.
00:22:24: Eine liebe Frau und gesund!
00:22:29: Franz Kinker sieht aus, wie er sich anhört.
00:22:32: Ziemlich bayerisch – selbst ohne Lederhose!
00:22:35: Er ist klein und gedrungen und hat einen riesigen gezwirbelten Schnurbert.
00:22:39: Seine Wohnung erinnert an ein kleines vollgestelltes Museum.
00:22:43: Überall stehen Bierkrüge, Jagdtrophäen, Urkunden, Ehrenzeichen und alte Uhren.
00:22:50: Und die klingeln alle fünfzehn Minuten.
00:22:56: Aber sein größter Stolz sind seine Trachtenhüte und seine Lederhosen.
00:23:00: Franz Kinker geht fast nie ohne Tracht aus dem Haus.
00:23:04: Meine Frau, da hat er mal ein paar Urgesprachen gesagt.
00:23:08: Sie, Frau Kinken, darf ihr jetzt was fragen?
00:23:11: Noch zur Freilich.
00:23:13: Sonst war mir das besser.
00:23:15: Hat einer Mann nichts anderes als wir trachten.
00:23:18: Hat er natürlich!
00:23:20: Aber das heißt nicht, dass er das dann auch gerne anzieht.
00:23:23: Er ist seit sechsundfünfzig Jahren im Drachtenverein Altmiesbach.
00:23:27: Das ist eine der wenigen Münchenertrachten-Vereine Und als Münchner Original ist Kinker natürlich auch Wiesen-Fan.
00:23:33: Ja,
00:23:33: ich bin eigentlich schon so ein Wiesnferdigwesen in meiner Lehrzeit.
00:23:38: Ich habe ja Sachen erlegt!
00:23:41: Sein erster Wiesenbesuch war in der Zeit von den Ersten Oktoberfest nach dem Zweiten Weltkrieg.
00:23:47: Danach verpasste die Wiesen kein einziges Jahr – nicht in den Fünfziger Jahren und auch nicht in der Sächsiker und Siebziger Jahre.
00:23:54: Da hat er mit seinen Freunden vom Trachtenverein einen eigenen Stammtisch im Schottenhammelzelt.
00:24:10: So geht das Jahr für Jahr und so wird es wahrscheinlich auch noch jahrelang weitergehen, aber dann kommt der Tag an den die Wiesen auf einmal still steht.
00:24:35: Franz Kinker geht mit seiner Frau zum Wiesen-Ausgang.
00:24:38: Er trägt natürlich Lederhosen und seinen Trachtenhut, auf dem Weg sagt ihm seine Frau, dass sie noch was Süßes kaufen will.
00:24:53: Wie auch Robert Höckmaier reist Franz Kinker die Explosion der Bombe meterweit nach hinten.
00:24:59: Beim Aufprall stößt er mit einem Kind zusammen, das später stirbt.
00:25:03: Es war der Bruder von Höckmayer.
00:25:06: Kinke überlebt mit mehreren Rippenbrüchen, Prellungen, Kopfverletzungen und Schnittwunden im Gesicht.
00:25:12: Seine Frau bleibt ohne Verletzung.
00:25:15: Nach dem Attentat bleibt Kinker den Oktoberfest erst mal fern.
00:25:19: Er will vergessen was er erlebt hat Aber im Alltag wird er ständig danach gefragt.
00:25:34: Das Oktoberfest hatten tat es nicht die einzige Katastrophe, wie die Kinker überlebt hat.
00:25:38: Im Dezember, ist in München bei der Paulskirche ein Transportflugzeug der Air Force One auf einer Trambahn gestürzt.
00:25:46: Zweiundfünfzig Menschen sind gestorben.
00:25:53: Franz Kinker kennt sich also aus mit Schicksalsschlägen.
00:25:56: Sie brauchen eine Trauerzeit, aber meine Meinung ist das Leben muss weitergehen.
00:26:03: Das ist meine Meinung.
00:26:05: Es wird es weiter
00:26:05: gehen.".
00:26:06: Kinker will sie nicht unterkriegen lassen und schon gar nicht will er sich seine Liebe zur Wiesen vermiesen lassen.
00:26:14: Und
00:26:18: zwar bereits drei Jahre nach dem Anschlag.
00:26:21: Er trifft sich wieder im Schotten-Hammelzelt mit seinen Freunden.
00:26:25: Alles soll so sein wie früher.
00:26:58: Also macht Kinke was man halt so macht auf der Wiesen.
00:27:00: Er trinkt eine Masse, ist ein halbes Händel, redet mit den Tisch-Nachbarn, trink noch ne Masse und irgendwann merkt er dass wirklich alles genauso ist wie früher.
00:27:21: Der Tag ist so schön das er in diesem Jahr nochmal auf die Wiesen geht – und nochmal!
00:27:27: Und nochmal.
00:27:27: Und
00:27:34: das macht Franz Kinkler die nächsten Jahre wirklich nicht, sich zu Hause einsperren – wenn Wiesen ist und auch nicht im Rest des Jahres.
00:27:56: Dann kommt Franz Kinker in Trachten-Janker mit einem grünen Säppelhut, er hält ein Joghurtbecher in der
00:28:01: Hand.
00:28:11: Aber Franz Kinka reicht das nicht!
00:28:13: Er will nicht nur das bayerische Gesicht von Ehrmann sein sondern auch vom Oktoberfest Zwei-tausend elf schlägt er der Festleitung vor, dass er am zweiten Wiesentag als Münchenertrachtler den Trachten und Schüttenzug anführt.
00:28:26: Als Begleitung vom Münchner Kindl – und die Festleitung sagt zu!
00:28:38: Nach dem Umzug steht daneben dem Münchener Oberbürgermeister im Wieseneingang und verabschiedet die Teilnehmer.
00:28:58: Frans Känke wird über die Jahre zu einer kleinen Wiesenberühmtheit.
00:29:02: Hier ist ein Interview mit ihm auf dem YouTube-Kanal WiesengaudiTV.
00:29:06: Servus miteinander,
00:29:07: zusammen beim Schützen- und Trachtenumzug.
00:29:09: Und neben mir eine Person, die kennt ihr mittlerweile alle!
00:29:12: Servus
00:29:13: Christi.
00:29:13: hallo, guten Morgen!
00:29:14: Guten Morgen Christi, servus.
00:29:16: Wie ist das von den Leuten her?
00:29:17: Erkennt die dich?
00:29:18: Winken die dir?
00:29:18: Ja mit denen halt recht
00:29:20: gut.
00:29:20: Ich weiß ja von
00:29:20: viel Punkt und wie ich sie so halte.
00:29:23: Und von der Zeit habe ich diese richtigen Bücher gekriegt.
00:29:27: Freude Nachts, was heißt Lustig?
00:29:36: Seit zwei-tausendfünf trifft sich Kinker regelmäßig mit anderen Überlebenden.
00:29:40: Setz dich gegen das Vergessen
00:29:42: ein!
00:29:45: Franz Kinker findet, dass sich in den letzten Jahren viel getan hat.
00:29:49: Zwei-tauendfünftien wurden die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat wieder neu aufgerollt.
00:29:54: Anfang Juli zwanzig kommt das Gericht zu einem neuen Ergebnis.
00:29:59: Das Oktober Festattentate war rechter Terror.
00:30:01: Aber hatten Sie da das Gefühl, okay,
00:30:05: es ist abgeschlossen?
00:30:07: Ja, ja.
00:30:07: Es ist auch geschlossen.
00:30:09: Man muss Rente geben
00:30:10: und schon so gehen.
00:30:19: Sehr geehrte Damen und Herren!
00:30:20: Ich heiße Robert Eggmaier.
00:30:22: Wir beginnen heute das Gedenken an der Oktoberfest-Attentat am XXI.
00:30:28: September vor genau vierzig Jahren.
00:30:30: Das ist der XX.
00:30:31: September zwanzig.
00:30:33: Am Hauptengang zum Oktober fest findet heute die Gedenkveranstaltung zum vierziessten Jahrestag des Anschlags
00:30:39: statt.
00:30:40: Es regnet in Strömen.
00:30:42: Robert Höckmeier steht auf der Bühne und hält ein Manuskript in den Händen, immer wieder stockt er beim Lesen.
00:30:59: Im Publikum sitzen Politiker wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder.
00:31:06: Auch
00:31:06: Franz Kinker ist unter den Gästen.
00:31:28: Eigentlich sollte die Feier auf dem Marienplatz stattfinden, damit die Besucher des Oktoberfests und das Geschäft nicht gestört werden.
00:31:35: Aber dann wurde die Wiesen wegen Corona abgesagt.
00:31:38: Am Ende der Veranstaltung betritt Markus Söder die Bühne.
00:31:52: Und auch für den Staat, für den Freistaat Bayern verantwortlich.
00:32:11: Es tut mir leid und ich entschuldige mich für die Fehler, die wo in der Ermittlung aber auch in der Einschätzung zu dieser Tat gemacht
00:32:19: wurden.".
00:32:33: Der Anwalt der Überlebenden Werner Dietrich hatte auch die Wiesenwirte um Geld gebeten.
00:32:43: Die wollten sich aber nicht beteiligen.
00:32:46: Höckmay hat inzwischen ein Bürojob in einer städtischen Behörde gefunden, ist nicht abhängig von staatlicher Hilfe.
00:32:52: Darauf ist er stolz!
00:32:54: Ich habe das Beste aus meinem Leben gezogen und gemacht.
00:32:58: Ich hab eine Familie gegründet, ich hab selber drei Kinder großgezogen Und selber will ich jetzt mein Leben noch genießen in den Abschnitten, die ich hab und die ich auch genießen kann.
00:33:09: Würden Sie sagen, Ihr Kampf gegen die Ungerechtigkeit ist jetzt vorbei?
00:33:14: Weil sie jetzt eben auch einen Urteil haben...
00:33:18: Mein Kampf ist nicht vorbei!
00:33:20: Ich bin mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden.
00:33:24: Mir fehlen zweiundzwanzig Jahre meines Lebens wo ich keinerlei Entschädigungen bekommen habe, wo ich gedemütlich beleidigt und sonstiges worden bin.
00:33:58: Wie
00:34:19: war's auf der Wiese?
00:34:21: Weil und lang.
00:34:39: Es ist der letzte Wiesensamstag und meine letzte Nacht als Rikscha-Fahrer in diesem Jahr.
00:34:44: Und ehrlich gesagt, ich habe keinen Bock mehr!
00:34:47: Heute mache ich nur noch Dienst nach Vorschrift.
00:34:49: Gäste ansprechen bis es Smalltalk abkassieren.
00:34:53: Hinten sitzt ein Paar.
00:34:55: Paare sind mir immer am liebsten Meistens höflich, meistens ruhig.
00:34:59: Also fahre ich einfach und schweige Da wo es leuchtet ist ein Motorradladen.
00:35:10: Obwohl er zu hat soll ich das Paar dort abliefern.
00:35:13: Sie sind nämlich die Besitzer.
00:35:20: Natürlich erkennt der Besitzer von einem Motorrad Laden dass sich mit E-Motor fahren.
00:35:25: Normalerweise sage ich das meinen Kunden nicht.
00:35:27: Gib mehr Trinkgeld, wenn Sie Mittler mit mir haben.
00:35:29: Stopp!
00:35:30: Stopp erst
00:35:30: mal dann.
00:35:31: Also dreißig?
00:35:32: Dreißig genau.
00:35:34: Also
00:35:36: wenn es euch nicht gäbe, dann wäre halt die Wiesn nach einem halben
00:35:38: Weg.
00:35:39: Das ist aber ein Liebersatz.
00:35:40: Dankeschön.
00:35:43: Der Mann kramt in seinem Geldbeutel und gibt mir einen fünfzig Euro.
00:35:51: Schein Alles.
00:35:55: Vielen Dank, danke schön!
00:35:56: Danke schön!
00:35:56: Wenn es euch nicht gäbe dann wäre
00:35:58: die Welt ein
00:35:59: bisschen kleiner.
00:35:59: Auch ist das denn?
00:36:01: Ebenfalls,
00:36:02: ihr könnt so so... Nein, nein,
00:36:04: noch alles
00:36:04: ist noch besser.
00:36:05: Schöne Nacht noch!
00:36:06: Ciao macht sich schön.
00:36:08: Servus, ebenfalls.
00:36:09: Es
00:36:11: wird schon schön.
00:36:12: Ist immer gut.
00:36:21: In einer perfekten Welt wäre das natürlich meine letzte Fahrt eine Fahrt nach der mir endlich einen Gast sagt wie toll ich bin.
00:36:29: Ein versöhnliches Ende.
00:36:32: Aber klar, ist natürlich nicht meine letzte Fahrt.
00:36:35: Danach fahre ich noch zwei sexistische und homophobe Oberbayern in den Strip-Club.
00:36:47: Ich fahrer einen zugekorksen Türsteher in sein Hotel Und ich fahre zwei rassistische Oberbayern in die Nullacht Neuenbach.
00:37:27: Wie gesagt, ich habe keinen Bock mehr.
00:37:39: Um ein Uhr fünfzehn bin ich am Esperanto Platz.
00:37:43: Die Leute strömen gerade aus dem Käferzelt Aber ich setze mich einfach hinten in meine Rikscha Öffne eine Flasche Bier und schau zu.
00:37:54: Und so fährt eine Riksha nach der anderen los.
00:37:58: Nach einer halben Stunde hat sich der Platz gelehrt.
00:38:01: Aber ich sitze immer noch da, ein paar verwirrte Laufen noch umher.
00:38:06: Manche von ihnen wissen nicht mehr wo ihr Hotel ist.
00:38:10: Auf dem Boden liegen kaputte Masksgrüge, Zigarettenstummel und Hähnchenknochen.
00:38:15: Ein Straßenmusiker spielt leise Leiler auf seinem Akordion.
00:38:26: Um halb drei Uhr morgens kommen die Putztrupps in ihren orangenen Uniformen.
00:38:31: Einen Wagen bespritzt im Boden mit Wasser.
00:38:34: Eine Kehrwalze fährt über den Müll um die Scherben zu zerkleinern.
00:38:38: Danach reinigen die Reinigungskräfte im Platz mit Kerrmaschinen, die Essensreste und die Glasscherben, die Kotze.
00:38:47: Straßenkerrer kehren den Rest mit ihren Besen weg.
00:38:51: Um sechs Uhr früh ist die Theresienwiese wieder besenreihen aber da schlafe ich schon längst.
00:38:57: Es ist Sonntag und in fünf Stunden beginnt der letzte Tag auf dem Oktoberfest.
00:39:37: Es ist früher Abend.
00:39:39: Am letzten Tag der Wiesen fahre ich keine Rikscha mehr, sondern geh ins Hackerzelt – wie jedes Jahr!
00:39:45: Das ist Tradition zusammen mit Simon, Leon und ein paar meiner Rikscha-Kollegen.
00:39:51: Im Hackerzähl treffen sich traditionell die Münchner, hier sind wenige Touris.
00:39:56: Die Seitenwände sind mit bunten Münchenmotiven bedeckt Der englische Garten, die Isar Ein knutschenes Paar am Wittelsbacher Brunnen.
00:40:04: An der hellblauen Decke hängen Wolken aus Dimm-Holz.
00:40:08: Darunter steht den großen Buchstaben Himmel der Bayern.
00:40:13: Wir bestellen die erste Masse.
00:40:50: Das Bier geht gut runter nach sechzehn Tagen harte Arbeit.
00:40:54: Eine halbe Stunde später bestellen wir die zweite
00:40:56: Masse.
00:40:58: Wir
00:41:14: müssen das Leon nachsehen, er kommt aus Hamburg aber auch ihm schmeckt das Bier aus dem Masskrug von Schluck zu Schluck besser.
00:41:43: Nach der dritten Maß stehen wir auf dem Banken.
00:41:46: Ich trage inzwischen einen Händelhut auf dem Kopf, hat auch nur thirty- acht Euro gekostet.
00:41:52: Es ist inzwischen zehn Uhr abends und die Stimmung ist... naja hört selbst Das war übrigens gerade Seti Mein rickischer Kumpel der Fahrten zum Puff Morale schwer verwerflich findet.
00:42:27: Wir bestellen die vierte Masse Und dann um halb elf Uhr abend ist die Wiesen vorbei.
00:42:52: Das Licht im Zelt geht aus.
00:42:54: An der Himmelsdecke hegen goldene Sterne, die das Zelt von oben beleuchten.
00:42:59: Es werden Wunderkerzen verteilt Denn die Kapelle spielt noch ein allerletztes Lied.
00:43:19: Wir halten die Wunderkerzen in die Luft Und liegen uns in den Armen.
00:43:23: Ich,
00:43:24: Simon, Leon, Seti – das ganze Zelt!
00:43:33: Wir schunkeln und grünen.
00:43:34: ein letztes Mal zu Sierra Madre.
00:43:37: Das ist ein Schlager von den Zillertaller-Schürzenjäger, der einmal im Jahr zum schönsten Lied der Welt wird.
00:44:16: Arm in Arm mit meinen Freunden verstehe ich auf einmal alles – die Wiesen!
00:44:22: Und warum es mich jedes Jahr wieder hierher zurückzieht?
00:44:26: Die Wiesen gibt mir die Möglichkeit, einmal im Ja jemand völlig anderes zu sein.
00:44:31: Nicht mehr der bürgerliche Journalist sondern der Rikscha-Fahrer, der dem Geld hinterherjagt.
00:44:37: Ich zocke besoffene Touris ab fahre Gäste für hundertfünfzig Euro zum Puff, mache krummel Geschäfte.
00:44:44: Ich mache Dinge die ich im Rest des Jahres nie machen würde und habe dabei... ...die beste Zeit meines Lebens!
00:44:59: Zum Ende der Wiesen mache ich dann eine zweite Verwandlung durch.
00:45:02: Ich lege meinen Rikscha-Fahrer ich wieder ab und werde am letzten Abend zu meinem Gästen.
00:45:13: Ich fühle mich auf einmal wie sie sich in meiner Riksche immer fühlen.
00:45:17: Ich verstehe, warum sie nicht mehr wissen wie ihr Hotel heißt.
00:45:20: Warum Sie mir aus Versehen hundert statt zwanzig Euro in die Hand drücken und warum Ihnen das alles ziemlich egal ist?
00:45:26: Weil hier im Zelt auf einmal alles egal ist.
00:45:33: Im Zelt können wir alles hinter uns lassen Unser altes ich Unsere Sorgen unsere Zurückhaltung.
00:45:39: Das macht diesen Ort manchmal schwer erträglich.
00:45:43: Es ist dann viel zu voll alle sind viel zu besoffen Aber manchmal gibt es diese magischen Wiesenmomente.
00:45:52: Dann liegen wir uns alle in den Armen und grüllen laut mit, so Sierra Madre von den Zillertaler Schürzenjägern.
00:46:39: Wir verlassen das Zelt.
00:46:42: Auf dem Weg nach draußen wird mir schlecht.
00:46:48: Ich beuge mich über den Gehweg und lasse alles raus Die Viermass Das halbe Händel die Brezen Die siebzehn Tage Wiesen.
00:46:58: Neben ihr stehen ein paar Besoffene Und jubeln mir zu.
00:47:03: Danach gehe ich zusammen mit Simon nach Hause.
00:47:29: Gegen
00:47:39: Mitternacht bin ich zu Hause.
00:47:41: Ich falle in mein Bett, ich bin völlig fertig.
00:47:45: In meinen Ohren klingen die Fahrgeschäfte nach und die Band spielt Sierra Madre.
00:47:50: Dann schlafe ich ein.
00:47:53: Ab morgen geht man altes Leben wieder los Und eine Malität kehrt wieder ein, dreihundert siebenvierzig Tage lang.
00:48:02: So lange habe ich jetzt Zeit mich wieder an mein altes leben zu gewöhnen Denn dann ist wieder Wiesen.
00:48:45: Das Lederhosenkartell ist eine Studio-Boomensproduktion.
00:48:49: Autor und Host bin ich, Alexander Gutzfeldt.
00:48:52: Mein Co-Autor ist Simon Garshammer.
00:48:55: Unser Executive Editor ist Tobias Baukarge.
00:48:59: Fact Checking und Recherche Leonhard Pleaser.
00:49:03: Schnitt & Sounddesign Chris Carles und Leon Watterkamp.
00:49:08: Originalmusik Hanske Ergutsfeldt Chris Carless und Leon Warterkamp.
00:49:13: Drums Julian Lange.
00:49:16: Marketing Hannah Marahil und Anja Keumle.
00:49:20: Coverart Matteo Siegolo.
00:49:24: Unsere Executive Producers sind Tobias Bauckage und John Hanschen.
00:49:29: Ein besonderer Dank an Setein Bortosch, Fythebbers Lukas Meyer Christopher Herbers Und an alle die für diesen Podcast mit uns gesprochen haben.
00:49:38: Wenn es euch gefallen hat freuen wir uns wenn ihr diesen podcast abonniert und ihn weiter empfehlt.
00:49:46: Vielen dank fürs zuhören Servus!
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